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Nepal - ins Land der Nahtstelle zweier Kontinente

Updated: 6 days ago




10 Tage liegen nun bereits hinter mir und wenn ich mir das Video meines Sohnes ansehe zieht es mich in Gedanken zurück zu meiner Reise in den Himalaya. Diese Reise war nicht geplant und hat sich mehr oder weniger spontan ergeben, als mein Sohn Jan sich nach seinem Studium gemeinsam mit seiner Freundin auf in sein Gap Year nach Asien begab (hungrigaufmeer.com). Die Chance sich mit zwei reiseerfahrenen jungen Menschen auf den Weg zu begeben musste ich nutzen, und so tauschte ich (Nichtsportfan!) kurzerhand meine Kochutensilien gegen einen Rucksack und dicke Trekkingschuhe



....und ein wenig Reiseproviant.


Nach einigen Reisen in Indien wartete ich mit Spannung auf den Tag der Abreise nach Nepal, einen Land welches zwischen Indien und China fast wie ein Zwerg daherkommt, aber mit nicht weniger als 10 der 14 höchsten Berge der Welt über 8000 m, aufwarten kann. Sie bilden mit vielen anderen Bergen das immer noch ansteigende Hochgebirgssystem des Himalaya. Entstanden ist der Himalaya vor mehr als 56 Millionen Jahren (Eozän), durch die Kollision der indischen mit der eurasischen Platte.Vorstellen muss man es sich wie zwei aufeinander zufahrende Autos die aufeinander prallen und eine Knautschzone bilden. Eben diese Knautschzone ist der Himalaya. Nepal liegt direkt oberhalb der Nahtstelle/ Knautschzone dieser Platten und auf Grund ihrer anhaltendenAktivitaet kommt es immer wieder zu Erdbeben. Das letzte schwere Beben ereignete sich im April/ Mai 2015 mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala, bei welchem fast über 9000 Menschen starben und für Nepal nicht zu beziffernde wirtschaftliche und kulturelle Schäden entstanden. Bei diesem Erdbeben verschob sich Kathmandu um ca. 3 Meter in südliche Richtung.



Bereits beim Anflug von Delhi auf Kathmandu sinke ich beim Anblick der Berge zweifelnd in meinen Sitz zurück und stelle mir die Frage ob dieser Gebirgszug für einen Wald- und Wiesenwanderer wie mich wirklich so der Richtige Einstieg sein würde . Wie sich im Nachhinein rausstellte hätte ich mir eine ganz andere Frage stellen sollen.

Da ich schon einige grosse Städte in Asien bereist habe, hatte ich leider vergessen mich zu fragen, ob Kathmandu die richtige Stadt für mich sein würde oder ob es nicht besser wäre direkt weiter zum Ausgangspunkts des Treks zu reisen. Mit ca 1,8 Mio. Einwohnern und gefühlt eben so vielen Zweirädern, die neben Autos, Bussen und LKWs die Strassen und manchmal auch die Gehwege verstopfen konnte ich beim Anblick der hilflos rumstehenden und winkenden Polizisten jedoch schnell sagen, das dies all meine bisherigen Chaostheorien weitestgehend sprengen würde .

Im Nachhinein fällt mir nur ein Szenario ein welches das Geschehen auf Kathmandus Strassen bei weitem in den Schatten gestellt hat.…..die indische Stadt Patna im Bundesstaat Bihar, denn hier gesellen sich zu den oben benannten Fortbewegungsmitteln noch Rikshaws, Fahrräder, Elefanten, Kühe, Traktoren, Esel und Menschen hinzu und stellen das Wort BEWEGUNG zu 99 % in Abrede. Hinzu kam zum Zeitpunkt meiner Indienreise 2016 noch die Tatsache, das ein nicht unerheblicher Teil einer der beiden auswärtslaufenden Fahrbahnspuren, der Brücke über den Ganges abgebrochen, und von den Fluten verschluckt wurde… aber mehr hierzu in meinem Bericht über Indien.


Kathmandu ist also die chaotische Hauptstadt Nepals, die ich nicht ein zweites mal aufsuchen würde auch wenn es unbestritten einige kulturelle Highlights gibt. Lediglich um hier eine Nacht vor dem Weiterflug oder der Weiterfahrt zum Ausgangspunkt eines Treks zu übernachten wäre für mich eine Option. Wir hatten das eher seltene Glück auf Anhieb ein ruhiges Hotel im Bezirk Thamel gebucht zu haben Hotel Oasis Kathmandu , welches in "nur" 65 Minuten bei einer Entfernung von 5,2 km mit dem Taxi zu erreichen war. Hier steht der Name Pate, angekommen fühlt man sich wie in einer Oase der Ruhe und kann einem ausgeschlafenen Morgen und einem guten ersten nepalesischen Frühstück entgegen schlummern. Um dennoch einen Einblick in die Historie der Königsstädte Nepals zu bekommen entschieden wir uns die kleinste der drei Königsstädte -

Bhaktapur (Kwopha) zu besuchen. Sie liegt 15 km östlich der Stadt und ist mit dem Taxi, für 600 Rupien leicht zu erreichen. Im 12. bis 15. Jahrhundert war Bhaktapur die Hauptstadt Nepals deren Geschichte bis ins frühe 8. Jh. zurück reicht.


Um die Stadt zu besichtigen und somit einen Einblick ins nepalesische Mittelalter zu erhalten zahlt man als Tourist einen, dem Angebot angemessenen Eintritt (1100 Rp.).


Der fünfstöckige, 30 m hoheTempel (das höchste Heiligtum Kathmandus) , der 55 Fenster Palast, der Talje Komplex sind nur drei der überwältigenden Bauwerke die den Einblick in die reiche Kultur der Newari geben. Besonders interessant fanden wir das mittelalterliche Wassersystem der Stadt welches der Stadt erlaubt/e an vielen Stellen fliessende Wasserspeier zu haben an denen die Einwohner ihr tägliches Wasser holen konnten. Über ganz Nepal verteilt findet man hunderte solcher Wasserspeier die alle nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren.

Der älteste bekannte Trinkwasser-Spuckbrunnen in Nepal stammt aus der Zeit um 550 nCh. (Hadigaun, Kathmandu).

In Patna gibt es den ältesten sich immer noch in Nutzung befindliche Brunnen (Manga Hiti) aus dem der Zeit 570 nCh. Leider kommt es in jüngster Zeit immer wieder zur Austrocknung der Brunnen da zum einen auf Grund der sich rapide verändernden Anwohnerzahl als auch der zunehmend tiefer angelegten Brunnenbohrung es zur Verknappung des Grundwassers kommt.




Am 4. Tag kamen wir dem Trek im Annapurna Himal ein Stück näher.

Bei unserer Diskussion über das geeignete Mittel des Transports entschieden wir uns für einen Flug von Kathmandu nach Pokhara da die Busfahrt zwischen 6 - 8 Stunden dauert und die Strassenverhältnisse in Nepal wie bereits angedeutet nicht die Besten, aber die Abhänge dafür die Steilsten sind. Dies sollten wir in einer späteren Busfahrt noch genauer bestätigt bekommen, und so brachte uns die nepalesische Airline „Yeti Airlines“ in einer kleinen Maschine, in 30 Minuten für 99 Dollar komfortabel ins 200 km entfernte Pokhara. Zu erwähnen sei, dass unser Aufenthalt am Abflugort um einige Stunden länger gedauert hat, denn bei Flugverspätungen vorhergehender Verbindungen kommt es zu Verspätungen aller nachfolgenden Verbindungen. So hatten wir eine Abflugverspätung von 4 Stunden, da wir am Morgen lieber ausschlafen und den Mittagsflug gebucht hatten. Na ja,... wäre eine, beim nächsten mal zu überdenkende Entscheidung! Daher empfehle ich ein Ticket für die erste Maschine zu buchen und zu hoffen das weder Nebel, Sturm, Starkregen oder Schnee Regie führen .... denn dann wird auch nicht unbedingt geflogen. Grundsätzlich gilt in Nepal, lieber etwas mehr als zu wenig Zeit einplanen. Ist man aber erst mal im Flugzeug, in welchem man sich wegen des beeindruckenden Bergpanoramas auf die rechte Seite setzen sollte....




...dann geht alles sehr schnell und man landet auf dem gemütlich kleinen Flughafen in Pokhara, an welchem die Koffer oder in diesem Fall meist Rücksäcke, nur gegen Gepäckschein!!! ausgegeben werden.





Pokhara ist Naherholungsort und ein wenig Disney Land der Nepalesen denn es gibt kaum etwas was man hier nicht machen kann, und wenn es etwas nicht gibt wird es höchstwahrscheinlich machbar gemacht (in Indien ist dies in jedem Fall so). Hier treffen sich Menschen aus der ganzen Welt die ihre Begeisterung für die Berge oder für ihre Sportart beim Rafting, Paragliding Bunge Jumping, Moto Cross, Mountainbike... zum Ausdruck bringen möchten.

Wir verbrachten in Pokhara 2 Tage vor und 2 Tage nach unserem Trek und nutzten die Gelegenheit sowohl die Stadt als auch das Umland näher zu erkunden:

Besonders gut gefallen hat mir ein Fussmarsch von ca. 4 Stunden



zur Shanti Stupa auf dem 1113 m hohen Bergrücken auf der anderen Seite des Phiwa Sees

zur World Peace Pagode. Diese ist eine von weltweit 80 Peace Pagoden, 2 davon befinden sich in Nepal. Unser Weg startete am Südostufer des Sees, vorbei am Phewa Damm, über Yamuna Tole und von dort aus durch den Wald bis zur Pagode. Von oben hat man einen atemraubenden Blick auf den Annapurna, Dhawalagiri und den Mount Fishtail sowie auf den See und die Stadt ,deren Größe man erstmals von hier bestaunen und die Ruhe geniessen kann.







Nach einer kleinen Mittagspause führt der Rückweg nach Pokhara in nordnordöstliche Richtung über einige hundert Stufen zurück zum Seeufer. Von hier aus kann man sich mit einem kleinen Holzboot für 300 Rp über den See zurück zur Lake Side rudern lassen.

…Text folgt….



Zur Einführung meiner Person in die Trekking Welt haben wir uns für den Poonhill Trek im Annapurna Nationalpark entschieden. 4 Tage sollte es nun bergaufauf und ab gehen und ich sollte am Ende lernen, das Nepalesen bei der Gestaltung ihrer Wege auf schnellstem Weg nach oben kommen möchten, …. was genauer gesagt heisst: auf den Poon Hill via zigtausender Treppenstufen.


Ich selber hatte mir in Anbetracht des fortgeschrittenen Alters (sollte ich in Nepal doch 56 werden) einen Träger/Guide gemietet und dieser erwies sich, nicht nur als ein Segen für meinen Rücken, auch wenn ich mich bereits auf 9 Kilo beschränkt hatte, sondern er war auch eine absolute Bereicherung für unsere kleine Gruppe da er mit gutem Englisch und viel Wissen die meisten unserer Fragen beantworten konnte.

Gerne vermitteln ich den Kontakt, da ich den Guide/ Träger sehr empfehlen kann.


Die erste Etappe führte uns von Birethanti am nördlichen Ufer des Bhurungdi Khola talaufwärts bis Hille (1485m) und später über etwa 3700 nicht endend wollender Stufen unterschiedlichster Höhe steil aufwärts bis Ulleri (2025) wo wir in einem von vielen Gasthäusern (Majestic Guest House - war ok aber weitersuchen schadet auch nicht) unsere erste Nacht verbrachten.



Die meisten Gastgeber erwarten, dass man insofern sie neben einem Zimmer auch noch Essen anbieten, bei ihnen isst. Manche drohen damit höheren Preisen für die Übernachtung im Falle eines Verstosses gegen diese dorfgemachten Regeln zu erheben. Die maximalen Zimmerpreise müssen jedoch von jedem Vermieter ausgewiesen werden und sind bindend (insofern man nicht einen besseren Preis aushandeln konnte )! …man kann also essen wo man möchte oder dort wo man denkt das bessere Essen zu bekommen. Grundsätzlich kann man sagen, das das Essen in Nepal sehr gut ist und sich im Geschmack mit manch indischem Essen vergleichen laesst. Sollte jemand Zweifel haben was er sich bestellen kann, so ist DalBat die richtige Wahl, einem traditionellen Gericht welches aus Reis, Kartoffeln, grünem Gemüse und Chapati besteht ….. und es gibt immer reichlich Nachschlag.



Ausgeschlafen geht es am nächsten Tag früh morgens weiter nach Ghorepani (2870m), auch hier wieder einige tausend Stufen die im stetigen auf und ab zum Ziel führen.



Beeindruckend sind in diesem Bereich die dichten Rhododendronwälder welche im Frühling sicherlich noch beeindruckender sind wenn sie in voller Blüte stehen.

In Ghorepani übernachteten wir ziemlich weit oben im Dorf, da hier am nächsten Morgen der Weg zum Poon Hill losgehen sollte. Das Hotel Old Village Inn mit einer wunderbaren Terrasse in dem wir nächtigten hat Potential.





Um 4:30 endet die Nacht und es geht über 1012 Treppenstufen in einem Marathonmarsch hoch zum Poonhill um von dort den spektakulärsten Sonnenaufgang meines Lebens zu erwarten.

Ohne Worte - einfach nur GIGANTISCH






Gegen 8 Uhr trafen wir müde und glücklich wieder in unserem Hotel ein und genossen unter den Einflüssen des erlebten ein leckeres Frühstück um uns auf unsere letzte und längste Etappe nach Ghandruk zu begen.


Auf und ab ging es über wunderschöne Bergrücken,



dichte Laub und Mischwälder, vorbei an Flüssen und Wasserfällen



bis wir nach 8 Stunden das 20 km entfernte Dorf Ghandruk und damit eine Perle im Annapurna Gebiet erreichten.





Hier übernachteten wir im Hotel Breeze, einem Haus mit netten Zimmern einer grossen Terrasse, und auf Anfrage mit warmen Wasser im Bad.


Gegessen haben wir jedoch in einem kleinen Guesthouse mit unglaublich netten Gastgebern welches sicher das BESTE Essen und mit Abstand den besten Café und Kuchen in Ghandruk anbietet the German Bakery Guest House. Leier konnten wir hier kein Zimmer nehmen, da für uns die Betten zu kurz waren.

Ghandruk besteht aus einem alten und einem neuen Dorfteil der höher gelegen ist. Der ältere Teil Ghandruks hat uns sehr überwältigt, da man hier wunderbar sehen kann mit welcher Feinheit Schnitzarbeiten an den Häusern gefertigt wurden. Ein paar kleine Spaziergänge in die nähere Umgebung bieten ebenfalls schöne Aussichtspunkte.


Auf dem gesamten Trek und in vielen Dörfern finden sich immer wieder kleine Plätze/ Inseln in deren Mitte ein oder mehrere meist sehr alte und mächtige Bäume stehen. Bei den Bäumen handelt es sich häufig um den Bodhi Baum der der Familie der Ficus Bäume angehört, dieser hat eine religiöse Bedeutung in Nepal da Siddharta Gautama (Buddha) unter einem dieser Bäume seine Erleuchtung fand. Die Plätze spenden Schatten und dienen dem Informationsaustausch untereinander.



Per Bus ging es, mit reichlich lauter Bollywoodmusik, auf einer abenteuerlichen Fahrt via Bus von Ghandruk nach Pokhara. Manch einem im Bus ist beim Anblick der steilen Abhänge, als auch dem desaströsen Zustand des "Verkehrsweges" ganz anders geworden.   Wahrscheinlich fährt in Nepal jedes Fahrzeug welches in Indien keine Fahrerlaubnis mehr erhalten hat! Der Zustand der Busse lässt in jedem Fall diesen Rückschluss zu ..... zum Ausgleich dafür sind sie aber schön bunt.


Nach dem Trek hatten wir die Gelegenheit noch 2 weitere Tage in Pokhara auszuruhen, Wäsche zu waschen, Postkarten zu schreiben und die ersten kleinen Geschenke zu kaufen.

Neben Schals, Schmuck und T-Shirts findet man wunderbare Geschenke in den kleinen Läden der Marke WOVEN - WOVEN /Nepal produziert hochwertige, handgewebte Taschen nach Regularien des fairen Handels und setzt sich mit einem Teil der Gelder für sozial- und wirtschaftlich benachteiligte Frauen in Nepal ein.


Unser nächstes Ziel sollte das kleine Bergdorf Bandipur (1000m) sein, welches einst eine grosse Bedeutung auf dem Handelsweg zwischen China, Tibet und Indien hatte. Erst als die Hauptverkehrsachsen des Landes gebaut wurden verlor es an Bedeutung und geriet zunehmend in Vergessenheit. Die Wiederentdeckung Bandipurs ist nicht zuletzt den wunderschönen meist original erhaltenen Häusern zu verdanken, die einen kurzen Besuch ohne weiteres rechtfertigen. Wir nächtigten 2 Tage im Heritage Guest House, einem kleinen sehr sauberen Hotel welches mit Unterstützung von Rotary Schottland renoviert bzw. aufgebaut wurde. Durch die in diesem Hotel bzw. Café errichteten Erlöse werden 5 Schulen in Bandipur und Umgebung finanziell unterstützt und es somit tausenden Kindern ermöglicht eine Schule zu besuchen.



- weiterer Text folgt




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